Implizites und explizites Gedächtnis

Bisher haben wir gelernt, dass das Gedächtnis in den Neuronen und Dendriten des Gehirns sitzt. Durch starke oder wiederholte Stimulation werden diese Bestandteile des Nervensystems trainiert – weshalb wir uns an einige Dinge besser erinnern, an andere schlechter.
In dieser Vorstellung, wie das Gehirn funktioniert, muss eine Information aus dem Gedächtnis aktiv abrufen, um sie uns in Erinnerung zu rufen – wir „kramen“ bspw. im Gedächtnis nach einer bestimmten Vokabel, wenn wir Englisch sprechen. Das geschieht bei guter Übung so schnell, dass wir es gar nicht mehr bewusst mitbekommen. Aber das Gedächtnis kann noch mehr: denn wir erinnern uns an manche Dinge auch „unbewusst“, ohne dass wir aktiv Informationen aus dem Gedächtnis abrufen wollen.

Das implizite Gedächtnis

Stellen Sie sich folgendes Bild vor: Mitten in der heißen Wüste sehen Sie vor einer Sanddüne einen Stein, einen Kaktus und einen Pinguin. Sie schauen sich dieses Bild vor Ihrem geistigen Auge in Ruhe an. Vllt. kam es Ihnen seltsam vor, dass ein Pinguin in der trockenen Wüste steht. Denn wir haben in der Vergangenheit gelernt, dass ein Pinguin in kalten, eisigen Regionen in der Nähe von Wasser lebt. Und genau in dem Moment, in dem Ihnen der Pinguin komisch vorkam, war Ihr implizites Gedächtnis aktiv: es analysiert automatisch und unbewusst alle Szenen, die wir wahrnehmen und vergleicht es mit den bisher erlernten Gedächtnisinhalten. Sobald etwas auftaucht, das nicht in eine bestimmte Szene passt, macht es uns darauf aufmerksam.

Das implizite Gedächtnis arbeitet also bei jeder Wahrnehmung unbewusst; es vergleicht die neu eintreffende Wahrnehmung mit der gespeicherten Information im Gedächtnis und macht sich bemerkbar, wenn etwas nicht stimmt.

Das explizite Gedächtnis

Stellen Sie sich nun vor, Sie sollten das Bild vor der Sanddüne mit einem Gegenstand ergänzen, der dort noch vorkommen könnte. Also bspw. ein verdorrter Baum oder ein Kamel. Um dies zu leisten, müssen Sie aktiv in Ihrer Erinnerung kramen. Und genau das ist der Unterschied zum impliziten Gedächtnis: man muss sich bewusst anstrengen, damit eine Information verfügbar wird – während das implizite Gedächtnis Informationen bereithält, ohne bewusste Anstrengung.

Quelle

Gerrig, Richard J. u. Zimbardo, Philip G.: Psychologie. 18. aktualisierte Auflage. S. 233f. Pearson Studium. München, 2008.

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