Newsgames

Als „newsgames“ (auf deutsch etwa Nachrichtenspiele) werden Computerspiele bezeichnet, die aktuelle politische Themen zum Inhalt haben. Sie vermitteln Wissen um das politische Weltgeschehen auf spielerische Weise und dienen somit dem Journalismus.

Beispiele für Newsgames

Cutthroat Capitalism

In dem Spiel Cutthroat Capitalism nimmt man als Spieler die Rolle eines Piratenführers  vor der somalischen Küste ein. Anfangs wird man ausgerüstet mit 50.000$ von lokalen Warlords und anderen Investoren. Dieses Geld muss man so gut wie möglich investieren, um mit seiner Crew profitable Überfälle in und um den Golf von Aden zu unternehmen. Dabei greift man Schiffe an, erobert sie, nimmt die Besatzung fest und führt möglichst erfolgreiche Lösegeldverhandlungen über die Geiseln.

Endgame: Syria

In den vergangenen Monaten fand sich auch die App von „Endgame: Syria“ vermehrt in den Schlagzeilen wieder, da sie aus dem App Store von Apple gelöscht wurde aufgrund Verletzungen der Nutzungsbedingungen: Im App Store seien keine Spiele zugelassen, in denen man gegen real existierende Länder oder Personen kämpft.

Inhalt des Spiels sind die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien. Als Spieler nimmt man die Rolle des Rebellenführers im syrischen Bürgerkrieg ein, der alle politischen und militärischen Entscheidungen koordiniert, um den Bürgerkrieg zu beenden. Damit gibt das Spiel einen relativ realistischen Einblick in die Lage der verhandelnden Parteien und die Konsequenzen verschiedener Handlungen.

Herausforderung von Newsgames

Damit der Spielspaß nicht verloren geht, müssen die Hintergründe wie Geschichte, aktuelle Entwicklungen und Personen möglichst „gedrängt“ dargestellt werden. Dabei kann es passieren, dass wichtige Elemente verloren gehen. Eine große Herausforderung beim Entwickeln von Newsgames ist es also, nicht zu viele Informationen weg zu lassen, so dass der Inhalt des Spiels immer noch wahrheitsgetreu wiedergegeben wird. Insofern kommt den Spieleentwicklern sogar eine journalistische Verantwortung zu.

Außerdem asoziieren wir mit Spielen eher Spaß und Unterhaltung als ernste politische Themen. Auch dadurch haben es Newsgames schwierig, auf eine breite Akzeptanz zu stoßen. Konflikte anhand von Spielen darstellen? Das dürfte für Viele erstmal undenkbar sein.

Bewertung von Newsgames

Eigene Erfahrung

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man tatsächlich anhand von Computerspielen lernen kann. Wenn die dargestellten Sachverhalte dann auch noch historisch und politisch korrekt sind – umso besser. Ich erinnere mich an das Spiel „Patrizier“, das als historische Wirtschaftssimulation in der Blütezeit der Hanse spielt. Neben wichtigen Zusammenhängen zwischen Handel, Geld, Macht und Krieg lernte ich auch einige Fakten, die Andere zum Staunen brachten. So wurde ich bei „Trivial Pursuit“ einmal nach der nördlichsten deutschen Hansestadt gefragt: nachdem ich mir bildlich die Karte aus dem Spiel „Patrizier“ vorgestellt hatte, konnte ich mit einiger Gewissheit die richtige Antwort „Lübeck“ geben. Ein anerkennender Gesichtsausdruck war das mindeste, was ich auf den Gesichtern meiner Spielpartner erkennen konnte.

Auch wenn „Patrizier“ nicht als echtes Newsgame gewertet werden kann, da es keine aktuelle Politik darstellt und nicht dem Journalismus dient, ist der Vergleich damit aus Lernsicht jedoch durchaus angebracht. Durch die spielerische Heranführung an ein Thema, das in Schulen ernst und trocken im Frontalunterricht behandelt wird, können Spieler wichtige Fakten und Zusammenhänge über das politische (oder historische) Weltgeschehen lernen.

Pädagogik

Egal, für welche Alternativen sich ein Spieler entscheidet und wie das Spiel ausgeht. Ein gutes Newsgame begeistert den Spieler für ein Thema, mit dem er sonst wahrscheinlich nicht in Berührung gekommen wäre. Und wenn der Spieler sein Spiel beendet hat, wird er in den Nachrichten, im Internet, in Zeitungen und Gesprächen immer wieder das heraushören, was er zuvor gelernt hat (In der Psychologie spricht man von Priming). Newsgames können somit direkt und indirekt einen wichtigen Zweck – sogar für demotivierte Schüler – erfüllen: Vermittlung von Wissen zu wichtigen Themen.

Fazit

Wahrscheinlich erinnert sich Jeder von uns an mehr oder weniger gut an den Unterricht in der Schule, den wir eher mit anderen Dingen als mit „Spaß“ verbinden. Dass es möglich ist, die beiden Dinge zu verknüpfen, zeigen jedoch die heutigen Spieleentwickler, von denen sich der schulische Frontalunterricht ein paar Scheiben abschneiden könnte.


Danke für's Teilen: Share on Google+Share on FacebookTweet about this on Twitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.