Kritik am Instructional Design

Gegen Ende der 1980er Jahre geriet die Idee des instructional designs (ID) in die Kritik. Wir erinnern uns: Mit dem instructional design wollte man psychologische und pädagogische Erkenntnisse so einsetzen, dass die Lernumgebung optimal an jeden Lernenden oder jede Lerngruppe angepasst ist. Die Kritiker bemängelten vor Allem zwei Punke:

  1. das instructional design wäre zu rigide (also starr, verkrustet, steif)
  2. und es produziere „träges Wissen“

1. Die Rigidität

Dieser Kritikpunkt scheint etwas aus der Luft gegriffen, da zwar darauf gepocht wurde, psychologische und pädagogische Prinzipien bei der Herstellung jeder Lernumgebung anzuwenden – diese jedoch in sehr unterschiedlichen Ausführungen passieren konnte. Irgendeine Orientierung benötigt man ja als Empfehlung; und wenn nicht Pädagogik und Psychologie – an welcher Wissenschaft sollte man sich sonst orientieren? Ernst zu nehmender war daher der zweite Kritikpunkt.

2. Das träge Wissen

Träges Wissen besteht immer dann, wenn man zwar theoretisch etwas gelernt hat, dies aber nicht auf praktische Probleme anwenden kann. Das Gegenteil davon nennt man bspw. in der Schule das „Transferwissen“ –> Wer Transferaufgaben lösen kann, habe den Stoff nicht nur auswendig gelernt, sondern auch verstanden, heißt es unter Lehrern. Ein Beispiel für träges Wissen wäre Mathematik: wer in der Schule zwar das Ein-Mal-Eins auswendig gelernt hat, aber im Supermarkt an der Kasse nicht ausrechnen kann, wie viel Rückgeld er bekommt, bestitzt träges Wissen. Oder wer unzählige englische Vokabeln auswendig gelernt hat, aber keinen englischen Satz sagen kann, bestitzt ebenfalls träges Wissen.

Und tatsächlich bestanden bis zum Ende der 1980er Jahre, als die Kritik groß war, die pädagogischen und psychologischen Modelle, anhand derer man das Lernen gestalten sollte, fast ausschließlich aus einer „direkten Instruktion“ – also Frontalunterricht, bei dem es die Aufgabe des Lehrers ist, den eher passiven Lernenden etwas zu vermitteln. Bei dieser Form des Lehrens wird Wissen abstrakt theoretisch vermittelt, kann aber in der Praxis schlecht angewendet werden.

Entwicklung neuer didaktischer Modelle

Dies machte neue didaktische Modelle notwendig, anhand derer den Lernenden Transferwissen vermittelt werden konnte. Diese Modelle beinhalteten wichtige Lernelemente wie

  • selbständiges Entdecken
  • sofortige Rückmeldung
  • Einnahme mehrerer Sichtweisen
  • gemeinsames Lernen in Gruppen
  • und praktische Aktivitäten

Das bedeutet nicht, dass die „direkte Instruktion“ generell ungeeignet ist, um etwas zu Lehren. Aber wie so oft im Leben, kann wohl auch hier je nach Situation eine Mischung aus mehreren Komponenten am wirkungsvollsten sein. In diesem Sinne entwickelten sich die Modelle, die in das instructional design einflossen, mehr in Richtung „Interaktion“ und „aktive Rolle des Lehrenden“. Die wichtigsten Modelle dieser zweiten Generation sind:

  • Cognitive Apprenticeship
  • Goal-Based Scenarios
  • Anchored Instruction
  • 4C/ID-Modell

Diese werden in weiteren Artikeln vorgestellt.

Quelle

Niegemann, Prof. Dr. Helmut M. et al.: Kompendium multimediales Lernen. S. 22f. Springer Verlag. Berlin, Heidelberg, 2008.

Danke für's Teilen: Share on Google+Share on FacebookTweet about this on Twitter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.